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- Hands-Up discovered 10 months ago
- Fussball-EM 2008 Initiative Oesi-freie Euro Von Gerd Schneider Über eine Million Unterschriften wollen die Initiatoren sammeln 20. September 2007 ,,Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag", befand einst der legendäre österreichische Trainer Ernst Happel. Und an sich können sich seine Landsleute ja für diesen Sport erwärmen, man denke nur an die Ekstase, die ein simpler 3:2-Sieg bei der WM 1978 - nun gut, gegen uns - produziert hat. Das Problem ist nur, dass beim Fussball immer zwei Mannschaften auf dem Platz stehen, was schon der französische Existentialist Jean-Paul Sartre erkannt hat: ,,Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft." Im Fall der Oesterreicher verkompliziert es sich sogar sehr. Denn gegen wen ihre Nationalmannschaft in diesem Jahr auch antrat, fast immer blieb das Gefühl zurück, das Land sei fussballerisch auf die Bedeutung von West-Samoa geschrumpft. Ob Malta (1:1), Ghana (1:1), Schottland (0:1), Paraguay (0:0), Japan (0:0) oder Chile (0:2), aus keinem dieser Spiele gingen die Oesterreicher als Sieger hervor. Tu quälix Austria! Guten Nachbarn hilft man gerne Die Not ist gross. Eigentlich wollten die Oesterreicher es den Deutschen gleichtun und bei ihrer Europameisterschaft im nächsten Jahr ein Sommermärchen erleben. Doch langsam schwant ihnen, dass die Zeit zu knapp ist, als dass ihr Traum wahr werden könnte. Jetzt schlägt die Stimmung um: in Spott, Aggression, Defätismus und - Masochismus. So ging am Mittwoch in Innsbruck eine Initiative an die Oeffentlichkeit, die sich ,,Oesterreich zeigt Rückgrat" nennt. Sie fordert einen Verzicht der oesterreichischen Nationalelf auf die EM-Teilnahme, also eine Oesi-freie Euro, volkstümlich ausgedrückt. Für diese Petition wollen die Initiatoren um Michael Kriess, den Sohn eines früheren Nationalspielers, via Internet (www.rueckgrat.cc) über eine Million Unterschriften sammeln. Ein Ziel, das realistischer erscheint als ein gutes Abschneiden der Oesterreicher bei der EM. Man kann sich vorstellen, dass es in Deutschland genug Fussballanhänger gibt, die die Initiative unterstützen; guten Nachbarn hilft man immer gerne. 0:1 gegen die Färöer Eine andere Frage ist, ob sie bereit sind, den oesterreichischen Petitoren in die Tiefen des Aesthetizismus zu folgen. Denn die begruenden ihre Forderung nach dem EM-Verzicht mit einem Passus in ihrer Nationalhymne, wo es heißt: ,,Volk, begnadet für das Schoene". Als eine dem Schoenen verpflichtete Kulturnation könne man die Auftritte der Nationalmannschaft nicht länger hinnehmen, denn: ,,Sie verletzt unser aesthetisches Empfinden und unseren Anspruch an den Sport." Nur: Was daran ist neu? Wenn wir uns recht erinnern, sind die oesterreichischen Fussballer auch in der Vergangenheit auf dem Platz nur selten als Verfechter der reinen Aesthetik aufgefallen. Unvergessen die 0:1-Niederlage gegen die Faeroeer, die Austria die Teilnahme an der EM 1992 kostete; oder 1999, ebenfalls in der EM-Qualifikation, das 0:9 gegen Spanien. Also, liebe Nachbarn, haltet durch, ertragt das Leid und denkt an eure Nationalhymne: ,,Hast seit frühen Ahnentagen / hoher Sendung Last getragen, / vielgeprüftes Oesterreich."

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