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Jun 10 2010
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politics, border, marcel reich ranicki
• achgut.com
Mir waren diese Sätze nicht rausgerutscht, ich hatte sie mit Absicht gewählt. Und ich war nicht überrascht, dass plötzlich ein eisiger Wind durch die überheizte Kirche wehte. Gaza mit dem Getto zu vergleichen und den Israelis «Völkermord» vorzuwerfen, ist in Deutschland so normal wie der Ruf «Wehret den Anfängen» bei den Kostümfesten der Antifa. Es wäre der erste «Völkermord» der Geschichte, bei dem sich die Bevölkerung im Laufe der Zeit verfünffacht hat. Aber zu sagen, verglichen mit dem Warschauer Getto sei «Gaza ein Club Med», war doch eine kleine Grenzüberschreitung, die vielen zu weit ging, vor allem denjenigen, die Grenzüberschreitungen prima finden, wenn sie auf einer subventionierten Theaterbühne stattfinden. Provokationen und Tabubrüche sind in Deutschland sehr beliebt, aber nur so lange, wie sie niemandem wehtun und im Rahmen der Political Correctness bleiben.
Der Erste, der sich von mir distanzierte, war der Moderator des ZDF, das die Preisverleihung übertrug. Er sagte, jeder «möge für sich entscheiden, ob diese Rede zu diesem Anlass passend gewählt war». Bei den anderen Rednern hatte er sich jede Wertung verkniffen.
MRR dagegen reagierte ganz anders. Er stand auf, umarmte mich und flüsterte mir ins Ohr: «Sie haben vollkommen recht.»
Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 23/10